Walter Lohmann - Eine Legende des Radsports

Sieger von über 500 Radrennen

Geboren am 21. Juni 1911 in Bochum

Den ersten Radsportkontakt hatte er 1927 mit 16 Jahren. Nachdem er beim Training die damaligen Sturmvogelfahrer Knie, Hegemann, Kessenbrock, Reckert und Gebhardt mit dem Tourenrad abgehängt hatte, war er fasziniert vom Radrennen.

1928 wurde er Mitglied im Sturmvogel. Er ging in die Kaufmannslehre bei den Chemischen Werken Lothringen, nachdem er die Handelsschule beendet hatte. Schnell machte sich Walter Lohmann nicht nur in Bochum einen Namen sondern auch bei den großen nationalen, langen Radrennen. Es gab in dieser Zeit kein großes Radrennen, welches er nicht gewann.

Im Jahre 1932 gewann er die bedeutendsten Radrennen des BDR, so daß der Bund ihn und den deutschen Meister Scheller zur Weltmeisterschaft nach Rom entsandte. Gerade zu dem Zeitpunkt wurde die einfache Hebelschaltung von den Italienern erfunden. Während die Italiener bergauf und bergab schalten konnten, ohne vom Rad zu steigen, mussten alle anderen immer vom Rad und das Hinterrad umdrehen, da auf der einen Seite der Nabe der Zahnkranz für das Bergauffahren und auf der anderen Seite der Zahnkranz für das Bergabfahren war.

Trotzdem wurde Walter Lohmann hinter den fünf Italienern Sechster. Die gesamten Siege gewann er im Spurt, da er es sich antrainiert hatte, einen Spurt durchzustehen. Er gewann Köln – Kleve – Köln, 1931 die Ruhrgaumeisterschaft, den Brenaborpreis in Dortmund, die Meisterschaft des Rheinlandes, den Großen Preis von Düsseldorf.

Walter Lohmann auf der Dorstener Straße in Bochum-Hamme

1932 folgen dann Sieger Großer Preis von Marten, Berlin – Cottbus – Berlin, Rund um Dortmund, Bochum – Münster – Bochum, Rund um Solingen, Großer Handelspreis von Solingen. Im Herbst löste er dann die Profilizenz.

Walter Lohmann war so talentiert, daß er nicht nur Straßenrennen fuhr und gewann, nein, er machte auch als Mannschaftsfahrer bei Sechstagerennen von sich reden. Als Neuling gewann er sofort in der Hauptstadt Berlin.

Hiermit begann seine Bahnlaufbahn als Steher und Sechstagefahrer. Seine ersten Siege in der Westfalenhalle, wo alle Spitzensteher am Start waren, gewann er mit neuem Bahnrekord.Den Weihnachtspreis holte sich Erich Metze vor Lohmann, musste aber auch Bahnrekord fahren, um Lohmann zu schlagen.

Walter Lohmann in Berlin

Walter Lohmann mit seinem Partner Schön

Auf allen Radrennbahnen wie Halle, Krefeld, Herzogenrath, Nürnberg, Hannover war er zu Hause.

In Herzogenrath hatte er einen Defekt und verlor 23 Runden, die er bis zum Sieg wieder aufholte. Ob Metze, Möller oder Weltmeister Lacquebay, ob Schindler, Krewer. Aufgrund seiner Schnelligkeit und seiner Beliebtheit wurde er 1934 auch bei den im Winter stattfindenden Sechstagerennen verpflichtet. Viele Sechstagerennen fuhr er mit Viktor Rausch. In Berlin gewannen die beiden mit fünf Runden Vorsprung zum zweiten Paar. 1934 tat er einen bösen Sturz vor der Deutschen Meisterschaft, bei der er als Favorit galt. Erich Metze holte sich den Titel. Nachdem er mit dem neuen Partner Schön Verträge bekam, gewannen sie die 100 km in der Westfalenhalle mit 2.15.56. Auch in Brüsseel gingen sie als Sieger hervor.

Diese außergewöhnlichen Erfolge führten dazu, daß die beiden nach New York verpflichtet wurden. Leider musste Walter Lohmann schon nach wenigen Stunden ausscheiden, da er sich das Schlüsseelbein bei einem Sturz brach. Kaum wieder hergestellt, siegte er in Berlin, Dortmund Antwerpen, Paris. Auch bei den neuen Zwei- und Drei-Stundenrennen waren Lohmann und Schön erfolgreich. Sie waren zu der Zeit eine der erfolgreichsten Mannschaften.

1936 widmete sich Walter Lohmann dem Stehersport. Seine Erfolge als Steher werden mit rund 30 Siegen pro Jahr angegeben, was wohl außer Zweifel sein dürfte.

1937 war wohl für Walter Lohmann das schönste Jahr, denn er wurde Weltmeister in Kopenhagen. In diesem Jahr waren es in ganz Europa 61 Siege.

1938 waren es 60 Siege und im Jahr 1952 waren es mit 41 Jahren noch 43 Siege. Walter Lohmann zählte nur die Siege. Wenn man 20 Jahre zugrund legt, kommt man schnell auf über 600 Siege.

Mit 44 Jahren, am 24. Oktober 1955 setzte er noch einen Meilenstein, der ihn ins „Guinnes-Buch der Rekorde” brachte: er fuhr auf der Wuppertaler Radrennbahn 100 km in 1.03.40 und 1 Stunde 96,016 km.

Walter Lohmann 1942 in Nürnberg

Wenn man bedenkt, daß durch den Radsportverein Sturmvogel 04 in all den Jahren die Stadt Bochum in Deutschland bekannt gemacht wurde und die beiden Großen – nämlich Walter Lohmann und Heinz Hasselberg – als echte Bochumer Jungen allein 19 Deutsche Meistertitel nach Bochum holten, Walter Lohmann 1937 Weltmeister wurde, Bundestrainer im Bund Deutscher Radfahrer war und Heinz Hasselberg 4. der Olympiade in Berlin 1936 wurde, ist von Seiten der Stadt Bochum für diese beiden nicht viel getan worden. Dies bedauert der RV Sturmvogel 04 sehr.

 Gerhard Köster-Franke